Foto: Igor Turčinov Stijić – Murter

LATINSKO IDRO

das Lateinersegel – Der beständige Hüter des kroatischen maritimen Kulturerbes

Das Projekt „Latinsko idro“ (Das Lateinersegel) ist der Inbegriff des emotionalen Abstandnehmens von all dem woran uns heute die modernen, sophistizierten Segel in unseren Häfen erinnern, ein aufrichtiges Abstandnehmen vom Heute in Richtung des Erbes, ein Annähern an das Erbe und an all das was wir waren und in der Tiefe unserer Herzen noch sind – alle Annehmlichkeiten der zeitgenössischen Schifffahrt akzeptierend. Dieses Segel verbindet ohne zeitliche Unterbrechung Menschen aus den Ortschaften Murter und Betina mit anderen mediterranen Völkern und macht sie dadurch zum Bestandteil einer großartigen maritimen Tradition, auf die sie niemals – trotz aller Veränderungen an der kroatischen Adriaküste – verzichtet haben. Und sie werden es wahrscheinlich auch nicht tun. Das bedeutet, dass das „Latinsko idro“ eigentlich weder ein Schiff, noch ein Segel ist, keine Regatta und kein Fest für Touristen… „Latinsko idro“ soll an eine besondere Art der Lebensführung, an einen außergewöhnlichen Raum, an eine besondere geistige Welt und ihre Existenz erinnern

Das Aquatorium des Lateinersegels

„Latinsko idro“ (Das Lateinersegel) ist der Name des Vereines, dessen Mitglieder, die heutigen und manche inzwischen verstorbenen, 1998 in Murter die Regatta der Traditionsboote ins Leben gerufen haben. Bis Anfang der Sechzigerjahre fuhren diese Boote nur mit Hilfe der Segel und der Ruder. Es war zu erwarten, dass diese Art der traditionellen Seefahrt, wenn auch im Rahmen einer Regatta, gerade in Murter ihre Renaissance erleben würde. Murter ist im Vergleich zu anderen Gegenden an der kroatischen Adria der Ort der in Verhältnis zur seiner Einwohnerzahl die meisten Boote hat, die meisten Holzboote, die meisten Boote mit Lateinersegeln und um das Wichtigste nicht zu vergessen, es ist der Ort in dem heute noch die meisten Menschen – Männer, Frauen, Kinder – die Seefahrt mit solchen Booten beherrschen.

Warum ist es dem so? Die Gemeinde Murter – Kornati ist die Gemeinde deren Seefahrtsterritorium im Archipel zehn Mal größer ist, als die Seefläche um die eigentliche Insel. Dieses Seefahrtterritorium umfasst nahezu alle Inseln der Kornaten, die kleinen Inseln bei der Insel Murter, die Insel Gangaro und ihr Archipel und am Festland noch Modrave und Makirina. Ab der Mitte des XVII. Jh., als die Bewohner von Murter und Betina als Kolonialisten auf die Kornaten kamen, bis zum Kauf der Besitzungen im XIX. Jh. und bis heute, war das Boot das einzige Beförderungsmittel, das das Leben auf zwei oder gar mehr Plätzen des derart verzweigten Besitzes ermöglichte. Heute ist die Gemeinde Murter – Kornati die größte Inselgemeinde im Mediterran.

Der erste ernstzunehmende und dokumentierte Bootsbau auf der Insel Murter begann Anfang des XVIII. Jh. Boote zu bauen begannen Meister aus Korčula im Ort Betina und seit damals sind wir in der Lage die Entwicklung des Bootsbaus auf der Insel Murter kontinuierlich zu verfolgen. Heute ist dieses Kontinuum mit der Eröffnung des Museums des Holzbootbaus in Betina historisch abgerundet. Der Bootsbau weitete sich radial aus, am Festland und im Archipel: vom Nachbarort Murter nach Osten in Richtung Šibenik und nach Westen in Richtung Biograd, Sukošan, Kukljica, Brbinj, Sali… Die überragende Zahl der Boote formte auch das urbanistische Bild der Ortschaften Murter und Betina; Betina mit großer Anzahl kleiner Bootsbaudocks und Murter mit einem kilometerlangen spitzenartigen Geflecht von Molen, die de facto Bauernterminale für die „Überseebesitzungen“ waren. Denn das Boot muss in Sicherheit des Hafens liegen, wie im Stammort, so auch im Archipel.

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