Photo: Pagani

HORACIO PAGANI

Automobilexotik

Seine erste Werkstatt war die Vorratskammer im elterlichen Haus. In dieser baute er die ersten Modelle aus Balsaholz und Nesquik-Blechdosen. Als er vierzehn Jahre alt war, entdeckte er die Welt Leonardo da Vincis. Nachdem er den Nachlass des größten Genies der Renaissance kennen gelernt hatte, der auf vollkommene Art, Kunst und Wissenschaft zu verbinden wusste, beschloss er fest was er als Erwachsener machen werde.

Ich gehe nach Modena um dort das schönste Auto der Welt zu kreieren – verkündete Horacio Pagani seinen Eltern, die ihm das im ersten Moment wahrscheinlich gar nicht glaubten. Aber, ungefähr zehn Jahre nach dieser Ankündigung, verließ er die von bewaffneten Militärs beherrschte Fakultät und seine Heimat Argentinien, die unter der Militärdiktatur zu ersticken drohte. Mit einem Koffer voller Ideen und Pläne kam er in Italien an. Bewaffnet mit einem pfehlungsschreiben, unterschrieben vom berühmten Juan Manuel Fangio, klopfte er an den Türen von Ferrari, De Tomaso, Alfa Romeo, Osella und Lamborghini an. Es waren aber schwere Zeiten, geschüttelt von der Erdölkrise. Erst beim zweiten Versuch wurde die Türe in Sant’Agata Bolognese einen Spalt weit geöffnet. Giulio Alfieri bot ihm die Gelegenheit – dem hartnäckigen jungen Mann, der bereit war sogar mit einem Besen und einer Gießkanne in der Hand zu arbeiten, nur um ein Teil von Lamborghini zu werden.

Diese Tätigkeiten, das Reinigen und das Gießen der Blumen, übte er tatsächlich anfänglich aus, aber sein Talent und sein Fleiß blieben nicht unbemerkt. Bald bekam er einen Arbeitsplatz in der Experimentierabteilung für Karosserien, wo er, unter anderem, auch mit Gian Paolo Dallara zusammenarbeitete. In den darauf folgenden Jahren arbeitete er an der Entwicklung von Modellen, die zu Ikonen von Lamborghini wurden – an dem Geländewagen LM002, an der Jubiläumsausgabe des Countach und an den ersten Versionen von Diablo. Mittlerweile machte er sich mit allen Vorteilen von Karbonfasern vertraut, wuchs bald über die Grenzen von Lamborghini hinaus und wagte es, sich 1991 auf den Weg der Selbständigkeit zu machen.

Auf dem halben Weg zwischen Sant’Agata Bolognese und Maranello, in dem kleinen Städtchen San Cesario sul Panaro entstand das Modena Designe und später Pagani Automobili, womit auch die Verwirklichung seines Traumes begann. Beim Genfer Auto-Salon 1999 wurde der Zonda und 2011 der Huayra vorgestellt. Ende 2017 eröffnete er das neue Werk, in dem die weltweit exklusivsten und begehrtesten Supersportwagen hergestellt werden. Horacio, der nach seiner Ankunft in Italien, mit seiner damaligen Freundin und jetzigen Frau Cristina Perez, einige Monate am Ufer des Como Sees im Zelt, mit zwei Koffern und zwei Fahrrädern lebte, ist heute der Eigentümer eines Unternehmens mit einem Jahresumsatz von 60 Millionen Euro.

„Ich war kein Phänomen, aber mit Arbeit, Aufopferung und Hingabe ist es mir gelungen, den Traum, den ich als Kind träumte, zu verwirklichen. Mein Vater war Bäcker – von ihm habe ich den Fleiß geerbt; meine Mutter mahlte und sie übertrug auf mich die Liebe für Schönes und für die Kunst. Ich selbst bin nur die Bestätigung dafür, dass man, wenn man eine klare Idee hat, diese auch verwirklichen kann“ erinnert sich der bescheidene 63-jährige Horacio an seinen Lebensweg, während er gewissenhaft den Zonda HP Barchetta begutachtet. Dieses Auto ist das erste der drei geplanten Exemplare, das trotz fabelhafter Angebote, welche die Marke von 12 Millionen Euro erreicht haben, unverkäuflich ist. Der Grund? Horacio hat diesen Barchetta für sich selbst gebaut.

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