MIRKO ILIĆ – Das kroatische Design gehört, meiner Meinung nach, zu den besten in Europa

Teilen:

Foto: Private Sammlung: Mirko Ilić

Die Biographie von Mirko Ilić ist ungewöhnlich. Er ist in der Kommunikation unmittelbar und unprätentiös, im Gespräch wie auch in der Arbeit, engagiert bei Themen, die ihm wichtig sind und er gehört seit Jahrzehnten zu den besten graphischen Designern und Illustratoren weltweit.

Bereits als junger Mann war er in Kroatien und in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens bekannt, bis er, vor 35 Jahren, die Koffer packte und nach New York übersiedelte.

Ohne Geld und ohne Bekanntschaften, aber selbstbewusst und ehrgeizig, hatte er, außer der Begabung, die er in sich trug, in New York viel Glück. Nach nur wenigen Tagen arbeitete er bereits – er entwarf die Titelseite des Nachrichtenmagazins Time. Er sprach nicht besonders gut Englisch, aber auch das war kein Hindernis. Das war sein erster New Yorker Job. Später kreierte er mehrere anthologische Titelseiten des Time und war sogar eine Zeit lang der Art – Direktor des Verlages. Er war auch der graphische Redakteur der Op-Ed Seite der New York Times, die er revolutionierte indem er mit der Typographie experimentierte, inspiriert vom deutschen typographischen Design des 16. Jahrhunderts.
Er ist der Gewinner einer Reihe von Preisen. Ungefähr dreißig seiner Plakate gehören zur permanenten Ausstellung im Museum der modernen Kunst in New York (MoMa); er ist der Autor zahlreicher bekannter Plakate und engagiert sich im Rahmen von Kampagnen für den Schutz der Menschenrechte. Während seiner Karriere schuf er verschiedenste Plakate, vor allem Film- und Theaterplakate; er produzierte auch beeindruckende Umschläge für Tonträger, Titelseiten für Zeitungen, er designte auch Buchtitelseiten, sowie Werbeplakate für Hotels und Yachten…

Wie bewusst ist den Menschen die Rolle des Designs im alltäglichen Leben?

„In Amerika neigt man nicht so sehr zum Design wie zum Beispiel in Zagreb. Im Zentrum von Zagreb sehe ich an einem Tag mehr fancy Autos als in New York in einer ganzen Woche; in Zagreb sehe ich mehr fancy Taschen als in New York. New York ist die Stadt in der weltweit die höchste Zahl an Milliardären lebt, aber das viele Geld wird nicht allzu sehr gezeigt, nach außen getragen, denn ein Teil der protestantischen Kultur besteht auch darin, sich mit dem eigenen Reichtum nicht in der Öffentlichkeit zu brüsten. Das Design ist wichtig, aber im letzten Jahr ist wegen Corona mit dem Design etwas Seltsames passiert. Seit uns die Pandemie beherrscht, ziehen die Leute einfache, überwiegend schwarze Kleidung an, sie gehen weniger aus, schminken sich nicht und man präsentiert sich nicht wie früher. Es gibt keinen Grund für eine perfekte Frisur, wozu ein toller Lippenstift wenn man ohnedies den Mund-Nasen-Schutz trägt. New York ist nicht mehr die Stadt der fancy Leute wie es früher einmal war. Und das ist nichts Schlechtes. Im Gegenteil. Wichtig sind jetzt andere Werte. Wichtig ist, zum Beispiel, mit wem man lebt. Falls man einen schlechten Partner gewählt hat und dann in der Pandemie mit diesem Partner ein Jahr lang „eingekerkert“ in einem Raum leben musste, ist das sicher ein schwerwiegendes Problem. In diesen Zeiten ist eine angenehme Dosis von Intimität in die Familien zurückgekehrt und es ist vor allem wichtig, dass man sich aufeinander verlassen kann“.

Schauen Sie ACI No.1 2021

Den Rest des Artikels sowie andere interessanten Inhalte finden Sie in unserer kostenlosen digitalen Ausgabe des Magazins

Teilen:

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin